Üblicherweise hat man in Ägypten das ganze Jahr lang warme bis heiße Temperaturen. Wenn Lena und ich allerdings im Februar mit einem Koffer voll Hochsommer-Kleidung nach Ägypten fliegen, ist das nicht der Fall. Trotzdem muss man seinen Dickkopf durchsetzen und unbedingt einen Tauch-Trip planen. Auch bei 18 Grad auf dem Thermometer. Treffpunkt: nächster Morgen, 7:00 Uhr. Schön..

Noch im Halbschlaf, bei gefühlten Wintertemperaturen in kurzen Sommersachen am Treffpunkt angekommen, ging es mit einem kleinen Van eine halbe Stunde lang in Richtung Boot. Elegant über einen morschen Holzbalken auf das Boot balanciert und kaum hingesetzt, starteten wir schon. Bevor wir jedoch abtauchen konnten, mussten wir erstmal die Tauch-Basics mit dem Dive Instructor durchsprechen. Während Lena feucht-fröhlich und euphorisch zuhörte, wurde ich immer nervöser. “Was wäre, wenn…”

Vor dem TauchgangNach der Einleitung zogen wir uns den Taucheranzug sowie Flossen und Weste an und meine Nervosität stieg weiterhin. Die absurdesten Gedanken schossen mir durch den Kopf. Lena hingegen war immer noch voll begeistert. Dass wir uns dann auf den Rand vom Boot setzten und uns Steine in die Weste gelegt wurden, machte mich fast wahnsinnig. Jetzt machte der Typ auch noch Fotos von uns, klar, warum nicht. Den Moment des puren Stresses müsse man ja schließlich festhalten. “Bei drei schubse ich euch ins Wasser.” “Mach du mal, bin ja nur ich.” Tauchmaske sitzt, Atemregler sitzt. Ein Stoß nach vorne und wir beide landeten im eiskalten Wasser. Plötzlich fiel meine ganze Nervosität ab und schlug in Tiefenentspannung um. Lenas Nerven hingegen lagen jetzt blank, was sich nach ein paar Minuten und ein paar Atemübungen mit dem Sauerstoffgerät auch wieder legte. Das Atmen mit der Sauerstoffmaske muss auch erstmal gelernt sein. Ein seltsames Gefühl, denn die Luft fühlt sich leichter an. Der Dive Instructor fragte uns, ob alles in Ordnung sei und wir nun starten könnten. “Klar.” Gesagt, getan. Er nahm unsere Hände und lies die Luft aus unseren Westen heraus und schon tauchten wir ab. Zugegeben, das Gefühl, sich vollkommen auf einen anderen Menschen zu verlassen, der jetzt mächtig über uns war, war schon mulmig.

Sobald man dann in die Unterwasserwelt getaucht ist und die Aussicht auf hunderte der buntesten Fische und Meereskreaturen erblickt, vergisst man alles.